Wäscherin

Von 1946-1950 lebten wir im Sauerland. Technische Hilfen gab es zu der Zeit nicht. Einmal im Monat konnte ich die Waschküche meiner Verwandten benutzen. Am Abend wurde die weiße Wäsche im gewärmten Wasser eingeweicht. Früh am nächsten Morgen, so ca. 5 Uhr, wurde aufgestanden und jedes Stück einzeln auf einer Ruffel in der Wanne vorgewaschen. Inzwischen war im Ofen ein Feuer mit Holz und Kohlen gemacht. Wasser wurde in den großen Topf gegossen, und es kam Seifenpulver hinein. Die weiße Wäsche wurde dann im voluminösen Bottich gekocht. Mit einem großen Holzlöffel wurde sie umgerührt. Dann kam sie nochmals in die Wanne. Es wurde jedes einzelne Stück geruffelt, Flecken wurden mit der Bürste bearbeitet.
Nach dieser Prozedur wurde die Wäsche im klaren Wasser gespült, dann ausgewrungen, und alle Wäschestücke wurden auf einer Wiese ausgebreitet, das ging aber nur bei Sonnenschein. War die Wäsche getrocknet, wurde sie mit klarem Wasser aus einer Gießkanne besprüht. Abends wurde alles wieder in einer Wanne untergebracht und am nächsten Morgen ausgewrungen und auf eine Leine gehängt.
Jedes Stück wurde mit einer Wäscheklammer befestigt. War die Wäsche trocken, wurde sie ordentlich zusammengelegt, zum Bügeln bereit. In der Zwischenzeit wurde die bunte Wäsche gewaschen, gespült und getrocknet. Ein anstrengender Tag.
Heute öffne ich die Tür meiner Waschmaschine, gebe Wäsche und Seifenpulver hinein und stelle sie an. Ist sie fertig, kommt sie in den Trockner. Waschen und Trocknen brauchen ca. drei Stunden, und ich habe kaum etwas getan.
Ich hatte sechs Kinder. bei meinen ersten vier Kindern gab es noch keine Waschmaschinen. Es gab auch noch nicht die schönen „Wegwerf-Windeln“. Diese vier Kinder wurden mit Stoffwindeln versorgt. Für Babys brauchte man am Tag ca. 24 Windeln. Aber sobald es irgend möglich war, kamen die Kinder aufs Töpfchen, und sie gewöhnten sich. Hielt man die genaue Zeit jeden Tag ein, waren sie schnell sauber.

Unser Sohn Martin kam aus der Schule und teilte uns glücklich mit: „Wir haben ein neues Lied gelernt: Windeln wehn, Schiffe gehn…“

Die alte Waschfrau von Adelbert Chamisso:

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