Kämme, Haarschmuck aus Holz und Horn

Vier bis fünf Jahre lagert das Holz in der Scheune ab, bevor es in Blöcke gesägt weitere acht Monate trocknet. So entstehen formstabile Kämme in der Werkstatt. In der Scheune des ehemaligen Bauernhofs wird eifrig gesägt und geschliffen. Vom rohen Holzklotz bis zum Kamm sind es etwa 20 Arbeitsschritte. Gefertigt werden Modelle für die unterschiedlichsten Haare – mit groben Zinken für dicke lange Mähne bis zu ganz feinen Kämmen für zartes Babyhaar. Manche sind besser zum Durchkämmen nach dem Waschen, andere fürs Frisieren geeignet. Seit fünf Generationen ist Familie Kost in diesem Metier zu Hause.
Sie verarbeitet ausschließlich heimisches Hart- und Obstbaumholz, weil es stabil und nicht so faserig wie weiches Nadelholz ist. „Sauber ausgesägt und frei von Kanten oder Graten lassen sich diese dichten Hölzer besonders glattschleifen. Das schont die Haare“, sagt Martin Kost, der den Betrieb mit seiner Frau Anja leitet. 

Kost Kamm, Rothenburger Str. 7 

91635 Windelsbach 
Tel.: 0 98 67/9 49 39 
www.kostkamm.de  

Werkstoff aus der Natur

Früher wurden Kämme ausschließlich aus Holz, Horn, Schildpatt und Elfenbein hergestellt. Als Celluloid und Kunststoff in Mode kam, stieg Martin Kosts Urgroßvater eine Weile auf die damals neuartigen Materialien um. „Aber die Nahtstelle zwischen den Zinken, bedingt durch den Formenguss, und die kantigen Spitzen tun den Haaren nicht gut“, sagt Martin Kost. Bei sauber gefertigten Kämmen aus Horn oder Holz gibt es dagegen keine störenden Nähte. Heute kann man die Hersteller von Holzkämmen in Deutschland an einer Hand abzählen. Aus heimischen Hart- und Obstbaumhölzern fertigt Familie Kost Kämme aller Art. Ein Werkstattbesuch im fränkischen Windelsbach lohnt sich. Zahn um Zahn sägt die Trennscheibe einer selbst ausgetüffelten Maschine aus dem Rohling. Eingefärbte Furniere machen die Kämme bunter und persönlicher.

Martin Kost hat den Betrieb seiner Eltern vor 25 Jahren übernommen und ihn von Nürnberg aufs Land verlegt. In Windelsbach im Landkreis Ansbach fand er mit seiner Frau auf zwei ehemaligen Hofstellen genügend Platz zum Leben und Arbeiten. Mittlerweile ergänzt ein Flachdachbau mit Voll-holz-Fassade die Hofanlage. Hier befinden sich Büros, Lager und ein Laden mit dem eigenen Sortiment und anderen schönen Dingen. „Die Bäume für unsere Hölzer holen wir teilweise selbst aus dem Wald, andere kommen vom Holzhändler“, sagt Martin Kost. Buche, Elsbeere, Ahorn, Kirsche, Birne oder Pflaume: Die Stämme werden aufgesägt und vier bis fünf Jahre lang luftig in der Scheune auf dem Hof gelagert. Gut vorgetrocknet arbeitet das Holz nicht mehr so stark, bildet keine Risse und bewahrt seine Form. Anschließend sägt der Kammmacher handliche Blöcke aus dem Lagerholz und lässt es weitere sieben bis acht Monate trocknen. 

Kammpflege

Ab und zu mit einem feuchten Tuch sauberwischen. Nie ins Wasser legen, auf die Heizung oder im Auto aufs Armaturenbrett. Nässe und Hitze sind die natürlichen Feinde des Holzkamms. Ansonsten hält er ein Leben lang. In der Werkstatt werden die Blöcke in schräg zulaufende Scheiben geschnitten. An der schmaleren Kante enden nachher die Zinken. Die Zahnreihen entstehen entweder automatisch an einer selbst ertüfftelten Maschine oder mit ruhiger Hand an einer rundlaufenden Säge. Die Stärke des Sägeblatts regelt den Abstand zwischen den Zinken. Geschnitten wird immer längs zur Holzfaser. Das macht die Zinken stabiler als quer zur Faser laufend. Dann werden sorgfältig alle Kanten leicht abgerundet und jeder einzelne Zinken zum Ende hin sanft konisch geschliffen. Die Spitze soll gut in die Haare greifen können, aber auch abgerundet sein, um die Kopfhaut ein wenig zu massieren . Es folgt ein letzter glättender Feinschliff für den ganzen Kamm und einmal sorgfältig mit dem Baumwolltuch poliert – fertig ist der Handschmeichler.

Beim Kammmacher dreht sich vieles um den sauberen Schliff. Alles wird abgerundet, geglättet und poliert, um später kein Haar zu verletzen. Breitere Zinken eignen sich für dickeres und längeres Haar. Mit den feinen Stielkämmen lassen sich Haare toupieren. Kämme, Bürsten, Rasierpinsel und andere Dinge,die den Alltag verschönern, finden sich im firmeneigenen Laden in einem neuen Holzgebäude auf dem Manufaktur-Gelände.

Text: Micaela Buchholz

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