Historischer Feuerlöschzug Linn

Etwa Ende 2000 oder Anfang 2001 hatte Peter Winkmann, Vorsitzender des Feuerlöschzugs, nach einer Möglichkeit gesucht, womit man das Linner Burg-, Trachten- und Heimatfest bereichern könnte. Es sollte etwas Historisches sein und einen Bezug zu Linn haben. Bei sonntäglichen Ausritten mit Theo Tissen wurde darüber gesprochen und Peter kam auf die Idee, die Freiwillige Feuerwehr Linn, die von 1892 bis 1949 existiert hatte, zu präsentieren.

Es musste allerdings unbedingt hoch zu Ross sein, denn man wollte bei den Schützenfest-Umzügen nun wahrlich auf keinen Fall laufen. Die Frage war nun: Gab es bei der Freiwilligen Feuerwehr jener Tage überhaupt Reiter? Recherchen ergaben, dass es sogenannte Feuerreiter gegeben hat. Oft reichten die eigenen Kräfte zur Brandbekämpfung nämlich nicht aus. Bei großen Bränden wurden die Feuerreiter in die Nachbarorte entsandt, um Hilfe zu erbitten. Somit stand der Verwirklichung der Idee nichts mehr im Wege.

Es wurden Mitstreiter gefunden und so traf man sich am 22. August 2001 zur Gründungsversammlung des „Feuerlöschzugs Linn“ in der Gaststätte Be de Bur. Es wurden Regularien und weitere Vorgehensweise besprochen. Getrost dem Motto: „Wenn wir etwas machen, dann machen wir es der Historie entsprechend“ ging man nun die gesteckten Ziele an. Leider waren keinerlei Bestände der ehemaligen freiwilligen Feuerwehr Linn übrig geblieben, an denen man sich hätte orientieren können. Deshalb war Beistand von Fachleuten notwendig. Hilfe und Auskunft holte man sich im Feuerwehrmuseum Erkelenz. Von den dortigen Kameraden bekam man jegliche Unterstützung und die einzelnen Aufgaben wurden nun angepackt. Die ausgesuchten Uniformen sind preußischer Herkunft und entsprechen der Dienstbekleidungsvorschrift des Feuerwehrverbandes der früheren Rheinprovinz. Helme, Koppel und Hammerbeile wurden in Eigenregie nach entliehenen Originalen hergestellt.

Ein sogenannter bäuerlicher Milchwagen wurde zum Mannschaftswagen feuerwehr-tauglich umfunktioniert und umgebaut. Damit kann man Mannschaft und Leitern zum Brandherd transportieren. Eine sogenannte Handdruckspritze, wichtigster Bestandteil bei der Feuerbekämpfung im 19. Jahrhundert, sollte angeschafft werden. Eine historische Spritze von der Freiwilligen Feuerwehr Tönisvorst-Kehn wurde ausgeliehen, um „sachkundiger“ zu werden. Da aber die Pumpe und der Kessel defekt waren und somit das Spritzen nicht möglich war, wurde nach einer anderen Lösung gesucht.

Am 3. Januar 2003 fuhren drei wackere Feuerwehrmänner nach Nürnberg, besichtigten eine angebotene historische Handpumpen-Spritze und brachten diese ohne langes Hin und Her gleich mit. Der Zahn der Zeit hatte natürlich bei der Handdruckspritze des Jahres 1865 Spuren hinterlassen. Nach einer intensiven Generalüberholung konnte der Historische Feuerlöschzug Linn eine funktionstüchtige Spritze präsentieren. Ein Belastungstest aus dem Jahre 2019 hat ergeben, dass die Pumpe einen Druck von 6 bar aufbauen kann. Der Wassertank an der Spritze fasst 256 Liter. Sechs kräftige Feuerwehrmänner schaffen es, den Tank (mit Muskelkraft) innerhalb von einer Minute leer zu pumpen. Die Wurfweite (Länge des Wasserstrahls) beträgt ca. 28 Meter. Ein passender Requisitenwagen, mit dem die zur Feuerbekämpfung notwendigen Dinge zum Brandherd transportiert werden, konnte ebenfalls aus historischen Beständen gekauft werden.

2004 haben die Linner Floriansjünger die Ärmel hochgekrempelt und tatkräftig an- und zugepackt: Nach Absprache und gemeinsamer Planung mit Dr. Christoph Reichmann, ehemaliger Leiter des Museums Burg Linn, haben sie einen Teil der in der Vorburg befindlichen maroden Remise renoviert und nutzen diese seitdem als Feuerwehr-Spritzenhaus. Fast ein Jahr dauerten die Arbeiten, da alles von Grund auf überholt bzw. nach historischem Vorbild renoviert werden musste.

Heute sind dort nicht nur Handdruckspritze und Mannschaftswagen untergebracht, sondern auch jede Menge weitere alte Feuerwehrausrüstungsgegenstände, die in den Sommermonaten an jedem 1. Sonntag von 14 bis 18 Uhr besichtigt werden können. Weiterhin gehört zur Ausrüstung eine pferdegezogene Wassertonne, die eine kontinuierliche Versorgung mit Löschwasser im Brandfall sicherstellen sollte. Dazu zählt auch eine Karrenleiter (Länge 12 Meter), Baujahr 1896, die in Eigenregie generalüberholt und erfolgreich in Betrieb genommen wurde.

Aus einer Sammlungsauflösung konnte ein Hydrantenkarren aus der damaligen Zeit erworben werden, ein weiteres Teilstück des damaligen Feuerlöschwesens. Anlässlich einer „Blaulicht“-Veranstaltung auf dem Sprödentalplatz konnte der Historische Feuerlöschzug eine Ausfahrt aus der ehemaligen Krefelder Feuerwache nachstellen. „Bei Auftritten legen wir großen Wert auf Authentizität“, betont Hauptmann Peter Winkmann. Deshalb üben die Wehrleute regelmäßig nach dem „Preußischen Exerzier-Reglement“ und der Übungsordnung für Feuerwehren der damaligen Zeit. 

Der Historische Feuerlöschzug Linn freut sich über die Anerkennung der bislang geleisteten Arbeit. Das ist Motivation, das historische Feuerlöschwesen mit noch mehr Einsatz zu fördern. Je mehr Interessenten die Linner dabei unterstützen, desto besser: Die Mannen um Peter Winkmann suchen tatkräftige Unterstützung von Gleichgesinnten, die ebenso technikbegeistert sind und sich für das hiesige Feuerlöschwesen in der Zeit von 1860 bis 1920 interessieren.

Theo Tissen

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